Licht zum Anfassen

Von der Praxis zur Lehre: Tobias Link als Dozent für Technischen Ausbau/Licht  an der Hochschule Trier 

Zum Wintersemester 2019/2020 unterrichtete Tobias Link an der Hochschule Trier am Campus Gestaltung die Fünftsemester des Fachbereichs Innenarchitektur. Begleitend zur Theorie konnten die Studierenden bei Exkursionen und Workshops das Medium Licht hautnah erleben.

THEORIE PRAKTISCH VERMITTELN

Tobias Link gründete 1991 gemeinsam mit Oliver Link das Lichtplanungsbüro Tobias Link. Sein Know-how basiert auf der langjährigen Erfahrung als Lichtplaner, Leuchtendesigner und Steuerungsentwickler. Als Dozent wollte er plastisch vermitteln, wie Licht funktioniert und wie es auf den Menschen wirkt. Seine Botschaft: Wer weiß, was gutes Licht ist, der kann es auch in einem Projekt für den Kunden funktional und ästhetisch umsetzen.

AUF EXKURSIONEN LICHT LIVE ERLEBEN

Fundiertes Hintergrundwissen gab Tobias Link durch Experimente und Workshops weiter. Sein Lehrplan für das kurze Semester umfasste auch drei Exkursionen. Bei Broy Lichttechnik in Trier konnten die Studierenden in die Rolle des Planers schlüpfen, sich über aktuelles Leuchtendesign und den Stand der Technik informieren. Am Saarländischen Theater in Saarbrücken ging es um den künstlerischen Aspekt, mit Licht Stimmung zu erzeugen und mit welchen Leuchtmitteln. Der Besuch bei Möbel Martin in Saarbrücken gab tiefe Einblicke in ein Großprojekt des Lichtplanungsbüros Tobias Link, das biodynamisch wirksames Licht nach dem Prinzip des Human Centric Lighting (HCL) anwendet. Hier ging es auch um Lichtsteuerung und die Ausrichtung des Lichts innerhalb verschiedener Deckensysteme.

LICHT - LEUCHTE - PLANUNG - WENN IDEEN KONKRETE FORMEN ANNEHMEN

Dieser intensive Praxisbezug war für die Studierenden völlig neu und wurde sehr positiv aufgenommen. Ihre Abschlussarbeiten bewiesen, dass sie das Gelernte auch souverän anwenden konnten. Die zehn angehenden Innenarchitektinnen sollten eine Leuchte entwerfen und eine Lichtplanung für einen Grundriss mit den Funktionen Wohnen und Arbeiten realisieren. Das Leuchtendesign bezog sich auf die Entwicklung eines Leuchtenaufsatzes für die Lichtsteckdose Plug & Light von Insta Lighting, die die Module zur Verfügung stellten. Für den Bau der Prototypen nutzten die Studierenden die hochschulinternen Werkstätten. Am Ende des Semesters präsentierten sie ihre Arbeiten in Form von Zeichnungen, 3D-Darstellungen und Storybooks. Die Studierenden werden ihre Leuchten-Entwürfe beim Design-Wettbewerb "LUXI - Der Licht-Preis" der Fachzeitschrift LICHT für 2020 einreichen.

Studierende sagen: "Wir haben unglaublich viel mitgenommen, das merken wir wenn wir mit höheren Semestern sprechen." "Wir haben so viel gelernt in dem Kurs, wir sind noch nie so in die Tiefe gegangen. Vorher hatten wir uns z. B. nie mit LVKs beschäftigt."

Tobias Link meint: "Ich bin begeistert, dass nach nur einem Semester alle das Verständnis für die Thematik gewonnen haben, sie beherrschen das Vokabular und sie kennen sich mit LED-Technik aus. Das ist enorm."

Vielen Dank an iGuzzini und Insta für die freundliche Unterstützung!

DER PARK ALS GESTALTETE BÜHNE

Die Beleuchtung für den Stadtpark Merzig setzt auf das subtile Zusammenspiel von Licht und Schatten

Im Rahmen der Sanierung des Stadtparks im saarländischen Merzig wurde ein neues Beleuchtungskonzept realisiert, das die große Vielfalt an Bäumen und Pflanzen auch bei Dunkelheit erlebbar macht.

GRÜNE OASE

Der Merziger Stadtpark dient als Ort der Erholung für Anwohner und Besucher der Kreisstadt. Er befindet sich in zentraler Lage zur City, zur Stadthalle und der Saar. Ein vielfältiger, teils Jahrzehnte alter Baumbestand zeichnet das Areal aus. Um die Anlage attraktiver zu gestalten, erfuhr der Park eine städtebaulich geförderte Umbaumaßnahme. Das Beleuchtungskonzept übernimmt dabei eine tragende Rolle.

REICHE VEGETATION

Das lichtgestalterische Konzept basiert darauf, einzelne Bäume und Baumgruppen in ihrer Struktur und Schönheit hervorzuheben. Die Gesamtfläche des Parks ist ähnlich einer Theaterbühne inszeniert: Protagonisten sind die Bäume, die von innen herausstrahlen, ohne dass Leuchten zu erkennen sind.

NATÜRLICHE EFFEKTE

Der Mensch ist geprägt von Sonne und Mond, sie lassen poetische Bilder aus Licht und Schatten entstehen. Ebenso wie in der Natur, kommt auch im Stadtpark Merzig das Licht von oben und strahlt direkt nach unten. Die Leuchten sind dabei in den Bäumen untergebracht, bis in einer Höhe von 30 Metern. Sie projizieren Äste und Blätter scharf und unscharf auf den Boden. Dieser atmosphärische Eindruck gelingt durch die Verwendung von drei verschiedenen Ausstrahlwinkeln bei nur einem Leuchtenmodell.

DAS LICHTTECHNISCHE DREHBUCH

Jeder Baum ist individuell, einer von vielen Solisten der "Parkbühne". Nach Absprache mit dem Landschaftsplaner wurde die Verteilung der Leuchten festgelegt. Der Fokus lag schließlich auf der Ausrichtung jeder einzelnen Leuchte vor Ort, die mit Hilfe von Hubsteigern befestigt wurden. Die Lichtkegel sind so eingestellt, dass sie auch die Wege blendfrei mit 3000 K ausleuchten. Wenige Uplights setzen ergänzend Pflanzen mit geringer Wuchshöhe in Szene.

BEGLEITENDE NEBENSCHAUPLÄTZE

Ein multifunktionaler Pavillon entstand als Entree zur Stadthalle. Den Zugang erhellen nun neue Mastleuchten (LPH 4,50 m), die auch die nähere Umgebung klar erkennen lassen. In die Decke des Pavillons sind Downlights dezent integriert, die für eine vertikale und gleichmäßige Ausleuchtung sorgen. Lineare Bodeneinbauleuchten zeichnen die Architektur nach und heben die Sitzbänke hervor. Die Beleuchtung der Saline wird nach ihrer Instandsetzung folgen.

HARMONISCHE KOMPOSITION

Besucher des Stadtparks Merzig werden durch das Licht empfangen und geleitet, damit sie sich zu jeder Zeit sicher und wohlfühlen. Licht und Schatten, Helligkeit und Dunkelheit bleiben in natürlicher Balance.

Fotos: Tom Gundelwein

BESSER EINKAUFEN MIT DEM RICHTIGEN LICHT

Tageslicht bestimmt die Beleuchtung bei Möbel Martin in Saarbrücken

Bereits 2015 wurde im Rahmen der Modernisierung von Möbel Martin in Kaiserslautern eine tageslichtdynamische Steuerung erfolgreich in einem Möbelhaus eingeführt. Für die Anwendung in der 2019 neu eröffneten Filiale in Saarbrücken kam das modulare Beleuchtungssystem nun in optimierter Form zum Einsatz.

Ganzheitliche Lichtplanung im Neubau

Das Beleuchtungskonzept für Möbel Martin in Saarbrücken konnte von Anfang an mit dem Architekten abgestimmt werden. Die tageslichtdynamische Steuerung sollte wie in Kaiserslautern über ein modulares LED-Beleuchtungssystem erfolgen.

Kunstlicht und natürlicher Lichteintrag

Die Architektur des vierstöckigen Gebäudes ist geprägt durch ein hohes Atrium, große Glasflächen im Eingangsbereich und einen verglasten Obergaden. Elementar für die Kunstlichtplanung war die Berechnung des Tageslichteintrags im Verlauf des Jahres. Ein Schwellwertmesser auf dem Dach misst Beleuchtungsstärke und Farbtemperatur in vier Richtungen und überträgt die Daten an die Lichtsteuerung.

Maßgefertigte Trichterdecke im Atrium

Den Eingangsbereich leuchten trichterförmige, abgependelte Leuchten aus, sie führen den geradlinigen Charakter der Architektur weiter. Integrierte LED-Tag-Nacht-Leuchten passen sich über Tunable White dem Tagesverlauf an, ihre Radial-Fresnel-Optiken liefern brillantes und diffuses Licht. Im Atrium betonen Lichtbänder je Etage die vertikalen Linien, der Blauanteil des Lichts nimmt dabei nach oben hin leicht zu, um den Himmel-Effekt zu verstärken.

Biodynamisches Licht im Verkauf

Die Ausstellungsfläche wird über ein LED-Modulsystem ausgeleuchtet, vergleichbar mit Möbel Martin in Kaiserslautern. Es kommen engstrahlende und breitstrahlende Kollimatoren zum Einsatz, unterschiedliche Bügel sind mit den Deckenkonstruktionen kompatibel. Zwei steuerbare Lichtfarben (2700 und 5000 K) schenken eine natürlich geprägte Atmosphäre, die sich am Tageslicht orientiert und im Sinne des Human Centric Lighting (HCL) den zirkadianen Rhythmus des Menschen unterstützt. Ein hoher Farbwiedergabewert ermöglicht den Kunden, die Produktwelt authentisch zu beurteilen.

Einladende Gastronomie

Das Restaurant zeigt einen ebenmäßigen Deckenspiegel, der die grafische Linie des Atriums aufnimmt. Die Beleuchtung aus direktem und indirektem Licht geschieht über Downlights, Wallwasher, Bilder- und Akzentleuchten und Pendelleuchten. Lichtlinien am Boden der Theken gliedern die Verkehrsflächen.

Effektiv und gestalterisch anspruchsvoll

Das Beleuchtungskonzept basiert auf projektspezifischen und kostensparenden Lösungen. Die mittlere Beleuchtungsstärke konnte dank der optimierten Lichtlenkung sehr angehoben werden, das Ambiente erscheint angenehm hell mit belebenden Kontrasten.

Fotos: Tom Gundelwein

ALPENGLÜHEN IN ZÜRICH

Licht-Inszenierungen für SPA und Garage eines Schweizer Anwesens

Die Lichtplanung umfasst den 300 qm großen Wellness-Bereich des Hauses sowie die 150 qm große Garage, die auch als Veranstaltungsraum und Ausstellungsfläche dient.

Licht zum Entspannen

Das Anwesen ist in den Hang gebaut, über eine Fensterfront öffnet sich der Blick vom SPA auf den Zürichsee und die Alpen. Um Tages- und Kunstlicht in Einklang zu bringen, wurde eine raumbildende Skulptur entworfen, die den Pool in den Fokus setzt und für genügend Beleuchtungsstärke an der Decke sorgt. Die Welle aus weißen Holzlamellen beinhaltet RGB-steuerbare LED-Stripes, die indirekt auf die Deckenfläche strahlen. Leuchten am Boden des Schwimmbeckens projizieren die Bewegung des Wassers auf die Wellenskulptur.

Licht im Fluss: von der Welle zur Treppe

Parallel zum Pool verläuft eine beheizte Bank, in die sich Dampfbad, Erlebnisdusche und eine Sauna einfügen. Entlang der Treppe befinden sich Umkleiden, Duschen und ein Massageraum. Als farbdynamische Lichttreppe stellt sie die Verbindung zur Wasser- und Saunazone her. Diese Eigenkonstruktion aus Blockglasstufen und LED-Sonderleuchten (Planes) wurde für eine leichte Montage konzipiert.

Farbdynamische Lichtspiele

Vier Lichtstimmungen stehen zur Verfügung, das weiße Allgemeinlicht sowie drei farbdynamische Programme (Rot-Orange: Kaminfeuer, Blau-Weiß: Meeresfrische, Grün-Gelb: Frühling). Ein Farbprogramm ist jeweils mit dem Weißlicht kombinierbar, Helligkeit und Sättigungsgrad der Farben sind variabel einzustellen. Lichtvouten und Bodeneinbauleuchten betonen alle mit Sandstein verkleideten Wände, die an den Fels stoßen.

Fotos: Tom Gundelwein

PLUG & LIGHT – die Lichtsteckdose

Eine neue Schnittstelle zwischen Architektur und Licht

Plug & Light revolutioniert den Umgang mit Licht: Leuchten lassen sich mit klassischen Steckdosen magnetisch verbinden und auf das Schalterdesign ästhetisch abstimmen. Das Kernstück bilden drei konzentrische Kreise, die sowohl Energie als auch Daten übertragen.

MODULARER AUFBAU

Die Lichtsteckdose Plug & Light basiert auf dem Designkonzept von Tobias Link Lichtplanung. Es ist eine Produktinnovation, die in Kooperation mit Insta GmbH als Tochterunternehmen der Gebäudetechnik- und Schalterspezialisten Gira und Jung entstanden ist. Sie wurde erstmals auf der Beleuchtungsmesse Light + Building 2018 in Frankfurt vorgestellt. Grundlage für das modulare System bilden klassische Unterputz-Installationsdosen, die bisher mit zwei Leuchtenmodellen kombiniert werden können, Fluter oder Strahler.

HOHE ANZIEHUNGSKRAFT

Die Verbindung zwischen Steckdose und Leuchte funktioniert magnetisch über einen technischen Aufsatz. Dieser ist das Kernstück von Plug & Light und zeigt innen drei goldene, konzentrische Kreise: sie übertragen Energie und Daten. Inspiration für dieses Design gab das Sonnensymbol aus der Bronzezeit, das ähnliche Ringe als Sinnbild für Licht darstellt.

EXTREM ANPASSUNGSFÄHIG

„Plug & Light“ ist als offenes System konzipiert, das leicht zu montieren ist und optisch an das Schalterdesign angepasst werden kann. Die verbundene Leuchte lässt sich während des Betriebs aufsetzen und 360° um ihre eigene Achse drehen. So ist die Lichtausrichtung individuell einstellbar. Die Lichtsteckdose lässt sich je nach Modell ein- und ausschalten, dimmen oder farbdynamisch steuern. Auch tragbare Akkuleuchten sind realisierbar, um sie per Funk mit Smart Home-Funktionen zu verknüpfen. Die Auswahl an kompatiblen Leuchten kann in einem herstellerunabhängigen Netzwerk stetig erweitert werden. Mit wenigen Einzelkomponenten erlaubt Plug & Light zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten, ob für den Einbau in Wand, Decke oder Möbel.

PREISGEKRÖNT

Plug & Light erhielt auf der Light + Building 2018 den „Innovationspreis Architektur + Technik 2018“, verliehen von den Architektur‐Fachzeitschriften AIT und xia Intelligente Architektur in Kooperation mit der Messe Frankfurt. Plug & Light erhielt außerdem die Nominierung für den German Design Award 2019.

Fotos: Gira, Jung, Insta
Fotos Award: Tom Gundelwein

BÜHNENREIFE INSZENIERUNG

Ein urbanes Beleuchtungskonzept für den „Shared Space“ in Bertrange

Zur Beruhigung der Verkehrslage in Bertrange, Luxemburg wurden die Verkehrswege und Nutzflächen nach dem Konzept des "Shared Space" neu gestaltet, demnach bewegen sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. Die Lichtplanung übernimmt dabei eine leitende Funktion.

URBANER FREIRAUM

Um den Verkehr zu drosseln und die Sicherheit zu erhöhen, übertrug die Stadt Bertrange die Idee des "Shared Space" auf deren Ortskern. Dieser Ansatz stammt aus den Niederlanden und baut auf die gegenseitige Rücksichtnahme aller Beteiligten, ohne Verkehrszeichen oder Abgrenzungen einzusetzen. Durch die gezielte Ausleuchtung des öffentlichen Platzes ist es gelungen, Auto- und Radfahrern, Fußgängern und Joggern Orientierung zu geben und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

DAS LICHT ALS REGISSEUR

Der Masterplan konzentriert sich auf fünf Bereiche: Verkehrswege, Gehwege im Park, Parkplätze, farbdynamische Akzentbeleuchtung für einzelne Gebäude sowie eine stimmungsvolle Illumination historischer Gebäude und Grünflächen. Er gleicht einer Inszenierung am Theater, mit einer Kulisse aus vertikalen Flächen in Form von Gebäuden und Bäumen und dem Shared Space als Bühne.

SUBTILE ÜBERGÄNGE

Mastleuchten mit asymmetrischer Optik beleuchten die Verkehrswege, deren Lichtpunkthöhe (LPH 5 m) liegt niedriger als bei den anderen Straßenleuchten der Gemeinde. Entlang der Kirche befinden sich radial strahlende Stelen, sie leuchten die Gehwege aus. Ein heller Bodenbelag und das einheitliche Beleuchtungsniveau von 3000 K lassen eine mediterrane Atmosphäre entstehen.

INDIVIDUELLE SCHAUPLÄTZE

An den Parkwegen sind blendfrei leuchtende Sitzwürfel verteilt, sie lockern auch die Grünfläche am Eventpavillon auf, das mit dem Rathaus zu den Neubauten zählt. Weiteres Highlight ist das Klettergerüst, das nachts farbig angestrahlt einer Lichtskulptur ähnelt. Für das Rathaus entstanden farbdynamische Lichtszenarien, die jahreszeitlich wechseln. Midrange-LEDs sind innen an den Fenstern integriert und liefern ein homogenes Licht in den Räumen. Engstrahlende High-Power-LEDs beleuchten die Betonstützen außen. Der Betreiber des Eventpavillons greift diesen farbigen Lichtwechsel auf. Die Beleuchtung der historischen Kirche und der "Schauwenburg" hebt sich durch ein flächigeres, warmweißes Licht ab, das Oberflächen und Details betont.

GELUNGENES ENSEMBLE

Die Parkplätze werden etwas schwächer über tiefstrahlende Poller- und niedrige Mastleuchten (LPH 4 m) ausgeleuchtet. Nur wenige Leuchtenmodelle kommen zum Einsatz, was die Wartung erleichtert und für einen harmonischen Gesamteindruck sorgt. So erschließt sich ein urbaner Platz, der Sicherheit ausstrahlt und zum Bleiben einlädt.

Fotos: Tom Gundelwein
Luftbild: Marc André Stiebel

ZUKUNFTSWEISENDES LICHT

Dynamische Lichtplanung als Kommunikationskonzept für G Data

G Data Software AG aus Bochum stellt seit 30 Jahren Virenschutz-Software her. Die Beleuchtung für Empfang, Cafeteria und Eventhalle basiert auf einer intelligenten Netzstruktur, die den Kern des Unternehmens widerspiegelt.

LICHT SCHAFFT IDENTITÄT

Der Sitz von G Data befindet sich auf einem alten Industriegelände, zentrale Anlaufstelle des Hauptgebäudes ist der Empfang mit Tresen. Die Basis der Firma beruht auf der Entwicklung von IT-Sicherheitssystemen, dies war der Ausgangspunkt für den gestalterischen Ansatz einer funktionalen und repräsentativen Lichtlösung.

PULSIERENDE VERBINDUNG

Bei Auftragsvergabe zur Erarbeitung eines Beleuchtungskonzepts waren die Decken kompakt mit Schallschutzmaßnahmen verkleidet. Sie wurden durch eine neue Ebene ersetzt, die sich als offenes, aus einzelnen Zellen miteinander verbundenes Gitter darstellt. Ein abstraktes World Wide Web, das ein komplexes Allgemeinlicht und animierende Lichtszenarien abbildet.

LICHT ALS LEITFUNKTION

Die weiße Netzstruktur in der Empfangshalle beschreibt eine prägnante Architektur aus maßgefertigten Gipskarton-Formteilen. Sie liefern zwei elementare Beleuchtungskomponenten: indirektes und direktes Licht. Die abgerundeten Waben dienen als Lichtvouten, sie sorgen für den Indirekt-Anteil durch eingebaute RGB-LED-Zeilen und sind variabel in der Farbtemperatur. In den geradlinigen Achsen verläuft ein 4 cm schmaler Lichtkanal, über den das direkte Licht mit zwei Abstrahlwinkeln generiert wird. Hier kommen hocheffiziente Tunable White LED-Leuchten zum Einsatz, die in der Farbtemperatur steuerbar sind. Strahlenförmige Lichtlinien verlaufen zusätzlich entlang des Bodens in Richtung Tresen.

VISUELLES STATEMENT

Die dreidimensionale Deckenskulptur führt sich vom Empfangsbereich zur Cafeteria abgewandelt fort, in Form von abgetreppten Holzfacetten. Das Gefüge erscheint schwebend-leicht und besitzt eine wohnliche Ausstrahlung, schlanke Pendelleuchten setzen punktuell Lichtakzente und unterbrechen bewusst die verzweigte Struktur.

DER MENSCH IM MITTELPUNKT

Die nutzerfreundliche Steuerung sieht vier Lichtszenarien vor: eine Tageslichtszene, die Informationen über einen Außensensor erhält und in den Innenraum überträgt; zwei farbdynamische Partyszenen, die gesättigte Farben im warmen oder kühleren Bereich nutzen sowie ein Arbeitslicht für Reinigungs- und Serviceaufgaben. Das Lichtsystem arbeitet biodynamisch, in dem es sich am Tageslicht orientiert und den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen nach Aspekten des Human Centric Lighting (HCL) unterstützt.

MULTIFUNKTIONALER EINSATZ

Kubische Außenleuchten kommen in der Eventhalle zum Einsatz. Sie unterstreichen die sachliche Industriearchitektur, sind separat zu dimmen und in der Farbtemperatur regulierbar. Allgemeinbeleuchtung für Schulungen und Vorträge sowie farbdynamische Lichtszenen beleben den Raum nach Bedarf.

Fotos: Tom Gundelwein

WEISSES LICHT IN DYNAMIK

Das Löhr-Center Koblenz zeigt Atmosphäre mit Tunable White

Als eines der größten innerstädtischen Shopping-Center in Rheinland-Pfalz ließ die ECE das Löhr Center in Koblenz nach über 30 Jahren am Markt sanieren. Elementarer Bestandteil der Modernisierung war ein umfassendes Licht- und Farbkonzept.

GROSSES PROJEKT, KLEINES ZEITFENSTER

Ein erster Lichtentwurf für das 1984 eröffnete Löhr Center entstand 2014, als für die 32.000 qm große Verkaufsfläche ein Teil-Umbau vorgesehen war. Im März 2016 entschied die ECE, alle drei Etagen zu renovieren, auf denen sich heute etwa 130 Shops verteilen. Bis zur Wiedereröffnung im Frühjahr 2017 musste die Lichtplanung komplett überarbeitet und bei laufendem Betrieb abgeschlossen sein.

DREI LICHTHÖFE GEBEN STRUKTUR

Im Rahmen des Relaunch wurde ein neues Design für die Innengestaltung festgelegt, das die Mall in drei Bereiche aufteilt: der Eingang "The Lobby" zeigt sich in belebendem Blau-Grün-Gelb, "The Boutique" in anregendem Rot, Blau, Lila und Türkis, "The Collection" mit einem raumhohen Bücherregal als Highlight in behaglichem Rot, Lila und Gelb.

FARBAKZENTE DURCH TUNABLE WHITE

Das Lichtkonzept greift diese Farbwelten in Form von dekorativen, geometrischen Flächenleuchten auf, die sich als imposante Deckengestaltung darstellen. Farbige Folien dienen als Filter, wobei der Farbeindruck je nach Tageszeit variiert. Die Verteilung der Hochleistungs-LEDs im engen Raster von 10 cm sorgt für eine äußerst homogene Lichtwirkung. Am Tag weist das Allgemeinlicht eine hohe Lichtintensität auf mit einer kühlen Lichtfarbe von 4000 K, die dekorativen Deckenleuchten bilden mit warmem Licht bis zu 2200 K einen starken Kontrast. Im Nachtmilieu mit sanftem Allgemeinlicht setzen sich die Flächenleuchten mit 4000 K klar ab.

LICHTSZENEN IM TAGESVERLAUF

Das Lichtkonzept basiert auf energieeffizienter LED-Technik mit Tunable White, durch Lichtintensität und Lichtfarbe werden vier Lichtszenen generiert. Dies übernehmen Tag-Nacht-Leuchten mit einer speziellen Fresnel-Optik, die optimal Direkt- und Indirektlicht verteilt. In einem 4 cm schlanken LED-Liniensystem sind perfekt entblendete Leuchten integriert, so dass unbewusst wahrnehmbare Lichtakzente wie "Sonnenflecken" entstehen. Ein Außensensor erfasst die Tageslichtwerte, die Steuerung verläuft nach automatischem Programm.

HOHE AUFENTHALTSQUALITÄT

Zusätzliche Mood Spots leuchten Sitzbereiche und Ausstellungsflächen aus. Abgependelte Sonderleuchten mit Metall-Gitterschimen und Durchmessern von bis zu 4 m und Höhen bis zu 3 m füllen die Mall optisch aus und unterstreichen den wohnlichen Charakter des Löhr Centers.

Fotos: Tom Gundelwein

VITALES LICHT FÜR NEUE WOHNWELTEN

Ein biodynamisches Lichtkonzept für Möbel Martin in Kaiserslautern

Licht wirkt positiv auf uns. Vor allem, wenn es sich echt anfühlt.Unter diesem Motto stand die Lichtplanung für das Haus der Möbel Martin Gruppe, das 2015 einen Umbau erfuhr. Es galt, 30.000 qm Ausstellungsfläche während der Modernisierungsmaßnahmen umzustrukturieren. Das anspruchsvolle Projekt beinhaltete die Entwicklung einer LED-Sonderleuchte und eines modularen Beleuchtungssystems, das mit seiner tageslichtdynamischen Steuerung einen neuen technischen Standard setzt.

In ausgewogener Balance

Die Realisierung des Beleuchtungskonzepts unterlag strengen Vorgaben. Der Zeitrahmen war knapp, das System sollte die Investitions- und Wartungskosten gering halten, eine einfache Instandhaltung garantieren und die verbauten HIT Downlights energieeffizient ersetzen. Zuvor kamen 16 Leuchtentypen zum Einsatz, die das Licht nicht homogen verteilten. Das Lichtkonzept richtete sich somit gezielt darauf, dem gesamten Objekt einen visuell einheitlichen Rahmen zu geben.

Individuell im großen Stil

Frei- und Großflächen, Präsentations-Kojen, das Fachsortiment mit Ausstellungsgondeln sowie die Küchenabteilung bilden die Hauptbereiche des Möbelhauses. Die Ausstellung steht klar im Vordergrund, das geradlinige Leuchtendesign tritt optisch zurück. Die Sonderleuchte ersetzt nun eine Vielzahl verschiedener Modelle. Sie verfügt über zwei Reflektoren (eng- oder breitstrahlend) sowie Bügelvarianten, um sich der jeweiligen Deckensituation anzupassen. Sie ist handlich und beliebig zu positionieren. Engstrahlende Reflektoren zeichnen die Highlights heraus, wie etwa Kochinseln oder Banner. Bei Regal- und Gondelfronten verteilt sich das Licht gleichmäßig nach unten, ohne eine separate Beleuchtung der Regalböden. Breitstrahlende Reflektoren sorgen für ein ausgewogenes Beleuchtungsniveau und eine angenehme Atmosphäre. Der hohe Farbwiedergabewert der Leuchtmittel garantiert, dass Oberflächen und Farben realistisch beurteilt werden können.

Die Sonne als Vorbild

Das Licht der Sonne steuert unseren zirkadianen Rhythmus und wichtige Abläufe in unserem Körper. Die Hochleistungs-LEDs arbeiten mit „Tunable White“: je nach aktueller Situation außerhalb des Gebäudes liefern sie innen ein tageslichtähnliches Spektrum von 3000 bis 5000 K, das vitalisiert oder entspannt. Auch daraus ergibt sich ein hohes Einsparpotenzial. Die heutige LED-Technologie macht solche Lösungen im Bereich des „Human Centric Lighting“ (HCL) möglich. Das neue Modulsystem arbeitet zu 55% energieeffizienter und bietet ein Höchstmaß an Komfort, sowohl für Kunden als auch Mitarbeiter. Die Sonderleuchte ist nun als Standardleuchte erhältlich. „instalight PROSALE 1021“ ist prädestiniert für den übergreifenden Einsatz im Handel.

Fotos: Tom Gundelwein

LICHT MACHT MOBIL

Ein Beleuchtungskonzept für die neue Geschäftsstelle des ADAC Mittelrhein in Koblenz

Der Entwurf bezieht sich auf zwei Büroetagen sowie den ADAC-Shop. Es galt, die organische Formensprache der Inneneinrichtung aufzunehmen und eine bildschirmarbeitsplatzgerechte Beleuchtung zu generieren, die den Mitarbeitern bei niedrigem Energieverbrauch größten Komfort bietet.

In Kurvenlage

Die Büros des ADAC-Hauses sind für ein bis fünf Personen konzipiert und durch geradlinige Glasflächen von den Fluren abgetrennt. Diese unterscheiden sich deutlich durch ihr geschwungenes Design: farblich hervorgehobene Bereiche sollen dort als Ort der Kommunikation dienen. Weißlicht bringt die sonnengelben Treffpunkte zum Strahlen.

Leichte Navigation

Die Allgemeinbeleuchtung in den Fluren übernehmen Downlights mit einer neutralweißen Farbtemperatur von 4000 K, ihre Linsen ähneln den Xenon-Scheinwerfern von Autos. Um ADAC-typische Themen wie Auto fahren oder Karten lesen mit der Architektur zu verknüpfen, sind die Deckenleuchten mit Linien verbunden. So ergibt sich ein Gesamtbild, das an Straßenkarten und Ampeln erinnert. Die Linien folgen der Architektur und führen als Wegweiser durch die Flure.

Technik-Offensive

Die Heiz- und Kühldecken in den Büros ließen kaum Spielraum innerhalb des Deckenspiegels zu. Abgependelte Sonderleuchten auf LED-Basis bilden eine separate Ebene, sie liefern funktionales Licht und entsprechen den Vorgaben in Bezug auf Wärmeeintrag und Stromverbrauch. Die Pendelleuchten geben direktes und indirektes Licht ab, ein bis zwei verteilen sich pro Raum. Prismen gewährleisten, dass bei einer Länge bis zu 210 cm das Licht gleichmäßig gestreut wird. Das Einschalten der Leuchten funktioniert manuell, das Ausschalten automatisch über einen Präsenzmelder. Die Mitarbeiter können außerdem ihre individuelle Beleuchtungsstärke auswählen und sind nicht auf den Standardwert von 500 lux beschränkt. Ein Sensor regelt zusätzlich die Tageslichtnachführung des Lichts.

Spurwechsel in Farbe

Jede Pendelleuchte ist mit einer RGB-Einheit ausgestattet, die für die Außendarstellung in den Abendstunden über eine zentrale Steuerung und mit eigenem Bus-System dirigiert werden. Blaues Licht strahlt indirekt auf die weißen Deckenflächen ab, wodurch die ADAC-Büros und die vermietete Etage in einem einheitlichen Mitternachtsblau erscheinen. Auch der Shop, der tagsüber durch ein abgependeltes Schienensystem mit farbdynamischer Decke illuminiert wird, ist in diese Installation integriert.

Fotos: Tom Gundelwein


Projektbeteiligte:

Förster + Förster Architekten, Bad Kreuznach | Bals + Wirth Innenarchitekten, Wiesbaden | Münch und Münch GmbH & Co.KG, München